Im letzten Jahrzehnt gab es bahnbrechende Forschungen im Bereich des Alterns, die ein faszinierendes Phänomen enthüllten:
Die Bluttransfusion von jungen Mäusen zu alten Mäusen zeigte eine signifikante Verlangsamung der Alterungsrate.
Diese Entdeckung weckte großes Interesse und führte zur Suche nach dem modernen "Jungbrunnen" in Form von Behandlungen auf Basis von jungem Blut.
Die wissenschaftliche Grundlage der Idee stützt sich auf Parabiose-Experimente, eine Methode, bei der die Blutkreisläufe zweier Tiere miteinander verbunden werden. Bereits in frühen Studien und später in Arbeiten von Forschern wie Amy Conboy und Tony Wyss-Coray wurde beobachtet, dass sich die Funktion von Muskeln, Leber und Gehirn alter Mäuse verbesserte, wenn sie den Blutkreislauf mit einer jungen Maus teilten.
Es ist wichtig zu betonen: Die Wirkung in diesen Modellen könnte nicht nur auf "junge Faktoren" im jungen Blut zurückzuführen sein, sondern auch auf die Verdünnung schädlicher Faktoren, die sich mit dem Alter im Blut alter Mäuse ansammeln. Das heißt, ein Teil des Nutzens könnte aus der Entfernung von Substanzen resultieren und nicht aus deren Hinzufügung.
Im Jahr 2017 sorgte das Startup-Unternehmen Ambrosia in der medizinischen Welt für Aufsehen,
als es begann, experimentelle Behandlungen mit junger Plasmatransfusion (dem flüssigen Teil des Blutes) zu einem Preis von 8.000 Dollar pro Liter anzubieten.
Die Behandlung basierte auf der Annahme, dass Bestandteile im jungen Blut biologische Prozesse im Körper anregen und das Altern verlangsamen könnten.
Der "Jungbrunnen"-Ansatz weckte jedoch auch viele Bedenken.
Das Fehlen fundierter klinischer Studien am Menschen warf Fragen zur Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung auf.
Zudem wurden ethische Fragen laut, ob das Altern so zu einem "Privileg" der Wohlhabenden werden könnte.
Im Februar 2019 erhielt die Firma Ambrosia und die Idee der jungen Bluttransfusion einen schweren Schlag.
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA veröffentlichte eine scharfe Stellungnahme, unterzeichnet von Kommissar Scott Gottlieb und Direktor Peter Marks, in der sie feststellte, dass es keine klinischen Beweise für die Wirksamkeit junger Plasmatransfusionen gegen altersbedingte Krankheiten, Demenz, Alzheimer, Herzkrankheiten oder Parkinson gebe.
Die Behörde betonte, dass es sich nicht nur um eine unbelegte Behandlung handele, sondern um eine, die gefährlich sein könne: Eine Plasmatransfusion birgt das Risiko allergischer Reaktionen, Flüssigkeitsüberlastung des Kreislaufs und des Herzens, akuter Lungenschädigung im Zusammenhang mit der Transfusion sowie der Exposition gegenüber Infektionskrankheiten. Die FDA warnte die Öffentlichkeit ausdrücklich davor, diese Behandlungen als sicher oder wirksam zu betrachten.
Infolge der Stellungnahme stoppte Ambrosia die Behandlungen im Februar 2019, um die FDA-Richtlinien einzuhalten. Die Behandlung wurde jedoch nicht vollständig aufgegeben: Der Firmengründer Jesse Karmazin kehrte kurz darauf zurück und bot Plasmatransfusionen im "Off-Label"-Format (Verwendung außerhalb der zugelassenen Indikation) unter der neuen Marke Ivy Plasma an und verwendete später sogar wieder den Namen Ambrosia. Die Geschichte verdeutlicht, wie groß die Kluft zwischen Marketingversprechen und wissenschaftlichen Belegen in diesem Bereich bleibt.
Referenzen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6764071/
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