In einer Höhe von über 4.000 Metern in den Anden Perus, an einem Ort, an dem fast keine essbare Pflanze die Kälte, die Strahlung und die dünne Luft überlebt, wächst seit Jahrtausenden eine kleine, rübenförmige Knolle. Die Inka nannten sie 'Nahrung der Krieger' und glaubten, sie verleihe Kraft, Fruchtbarkeit und Ausdauer. Heute, Jahrhunderte später, ist diese Knolle zu einem der meistverkauften Nahrungsergänzungsmittel der Welt geworden, unter einem einfachen Namen: Maca.
Das Marketing verspricht viel: eine explodierende Libido, Energie wie mit 20 und ein perfektes hormonelles Gleichgewicht. Aber was sagt die Wissenschaft wirklich? Im Gegensatz zu den meisten Anti-Aging-Präparaten hat Maca plausible Belege vom Menschen, nicht nur von Mäusen, und genau deshalb haben wir sie gelb und nicht rot eingestuft. Die große Überraschung, die Sie gleich erfahren werden: Die Wirkung von Maca auf die Libido und die Stimmung verläuft wahrscheinlich überhaupt nicht über die Sexualhormone.
Was ist Maca?
Maca (wissenschaftlicher Name Lepidium meyenii, manchmal auch Lepidium peruvianum) ist eine Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler, derselben Familie wie Brokkoli, Kohl und Rettich. Der essbare Teil ist die Knolle, die zu Pulver gemahlen wird. Hier ist, was Sie darüber wissen sollten:
- Herkunft: Sie wächst ausschließlich in den Hochlagen der Anden in Peru und Bolivien unter extremen Bedingungen von Höhe und Kälte.
- Verschiedene Farben: Es gibt gelbe Maca (die häufigste), rote und schwarze. Die Farbe ist nicht nur kosmetisch; Studien deuten auf Unterschiede in der Wirkung hin: Schwarze Maca wurde mehr für Gedächtnis und Sperma untersucht, rote für die Prostata-Gesundheit (hauptsächlich aus Tierstudien).
- Zusammensetzung: Reich an Proteinen, Ballaststoffen, Mineralien (Eisen, Zink, Kalzium) und einzigartigen Molekülen namens Macamide und Glucosinolate, die als die aktiven Bestandteile gelten.
- Klassifizierung: Wird manchmal als 'Adaptogen' eingestuft, eine Pflanze, die dem Körper hilft, mit Stress umzugehen, aber dies ist eine Marketingbezeichnung, die wissenschaftlich nicht gut belegt ist.
- Verwendungsform: Erhältlich als Pulver, Kapseln oder in 'gelatinisierter' Form, bei der die Stärke aufgespalten wird, um die Aufnahme und Verdauung zu verbessern.
Der überraschende Mechanismus: Nicht über Testosteron
Der entscheidende Punkt, der Maca von Präparaten unterscheidet, die angeblich Testosteron erhöhen: Maca erhöht nicht die Testosteron- oder Östrogenspiegel im Blut. Studien, die Sexualhormone vor und nach der Einnahme von Maca gemessen haben, fanden keine Veränderung der Östradiol-, Testosteron-, FSH- oder LH-Spiegel.
Wie wirkt sie dann auf Libido und Stimmung? Die aktuellen wissenschaftlichen Hypothesen deuten auf mehrere nicht-hormonelle Wege hin:
- Zentralnervensystem: Die für Maca einzigartigen Macamide könnten das Neurotransmittersystem beeinflussen, einschließlich dopaminerger Bahnen, die mit Verlangen und Motivation verbunden sind.
- Reduzierung von Angst und Depression: Eine Verbesserung der Stimmung und des Wohlbefindens führt direkt zu einem erhöhten sexuellen Interesse, unabhängig von Hormonen.
- Zelluläre Energie und Ausdauer: Eine reichhaltige Nährstoffzusammensetzung, die die Mitochondrienfunktion und das allgemeine Energiegefühl unterstützt.
- Antioxidantien: Die Glucosinolate und Polyphenole bieten antioxidative Aktivität, die Zellen vor oxidativem Stress schützt.
Die praktische Bedeutung: Wer hormonell Testosteron erhöhen möchte, wird dies bei Maca nicht finden. Aber wer eine Verbesserung von Verlangen, Energie und Stimmung sucht, könnte durchaus profitieren, und gerade weil der Mechanismus nicht hormonell ist, ist ihr Sicherheitsprofil besser als das von hormonellen Präparaten.
Die aktuellen Belege
Studie 1: Systematischer Review zu Maca und sexueller Funktion von 2010
Der wichtigste Review auf diesem Gebiet wurde 2010 in der Zeitschrift BMC Complementary and Alternative Medicine von Shin et al. veröffentlicht. Die Forscher durchsuchten 17 Datenbanken und identifizierten 4 randomisierte, placebokontrollierte Studien, die Maca zur Verbesserung der sexuellen Funktion untersuchten. Die Ergebnisse: Zwei Studien zeigten einen signifikant positiven Effekt auf das sexuelle Verlangen bei gesunden Männern und auf die sexuelle Funktion bei Frauen in den Wechseljahren. Eine weitere Studie zeigte eine signifikante Verbesserung bei Männern mit erektiler Dysfunktion. Eine Studie zeigte keine Wirkung bei Radfahrern. Schlussfolgerung der Forscher: Begrenzte, aber vielversprechende Belege mit Bedarf an größeren Studien.
Studie 2: Maca, Angst und Depression in den Wechseljahren von 2008
Eine 2008 in der Zeitschrift Menopause veröffentlichte Studie untersuchte 14 postmenopausale Frauen in einem randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Design. Die Frauen nahmen 6 Wochen lang 3,5 g Maca pro Tag oder Placebo. Das Ergebnis: Eine signifikante Verringerung von Angstsymptomen und Depressionen sowie eine Verbesserung der sexuellen Funktionsindizes, gemessen mit der Green Climacteric Scale. Der entscheidende Befund: Bluttests zeigten keine Veränderung der Östradiol-, FSH- und LH-Spiegel, d.h. die Wirkung war unabhängig von östrogener oder androgener Aktivität. Dies ist eine der wichtigsten Studien, die den nicht-hormonellen Mechanismus belegte.
Studie 3: Maca, Depression und Blutdruck von 2015
Eine randomisierte, doppelblinde Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift Climacteric, untersuchte 29 chinesische postmenopausale Frauen, die 3,3 g Maca pro Tag oder Placebo einnahmen, jeweils für 6 Wochen in einem Crossover-Design. Die Ergebnisse: Eine Verringerung der Depressionssymptome und eine Verbesserung des diastolischen Blutdrucks. Die Studie bestärkte den Zusammenhang zwischen Maca und Stimmungsverbesserung auch in einer anderen ethnischen Population, obwohl die Forscher anmerkten, dass es sich um eine kleine Pilotstudie handelte.
Was ist mit Energie und Fruchtbarkeit?
Über Libido und Stimmung hinaus wurde Maca auch in anderen Zusammenhängen untersucht. Im Bereich der männlichen Fruchtbarkeit deuteten einige kleine, vorläufige Studien auf eine Verbesserung der Spermienparameter bei Männern hin, die Maca einnahmen, aber eine Metaanalyse von 2022 fand keinen signifikanten Effekt auf die Spermienzahl, und die Belege bleiben widersprüchlich. Auch hier wurde keine Veränderung der Sexualhormone beobachtet. Im Bereich Energie und Ausdauer sind die Belege schwächer: Die Studie mit Radfahrern zeigte keine Leistungsverbesserung, so dass das 'Energiegefühl', über das Anwender berichten, wahrscheinlich eher mit einer verbesserten Stimmung und Schlaf zusammenhängt als mit einer direkten Verbesserung der körperlichen Fitness. Dies ist eine wichtige Unterscheidung: Maca ist kein Stimulans wie Koffein, sie wirkt sanft und über einen längeren Zeitraum.
Sollte man anfangen, Maca zu nehmen?
Hier ist der Ort für Ernüchterung. Trotz der positiven Belege gibt es einige wichtige Vorbehalte:
- Kleine Stichprobengrößen: Die wichtigsten Studien umfassten nur 14 bis 29 Teilnehmer. Das ist weit entfernt vom Umfang Tausender Teilnehmer, der für vollständige Sicherheit erforderlich ist.
- Mittelmäßige methodische Qualität: Der systematische Review selbst stellte fest, dass die Qualität der Studien begrenzt ist und dass größere, qualitativ hochwertigere Studien erforderlich sind.
- Auswirkung auf die Schilddrüse: Maca enthält Glucosinolate, die in sehr großen Mengen die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen können. Personen mit Schilddrüsenunterfunktion sollten einen Arzt konsultieren.
- Hormonabhängige Krebserkrankungen: Obwohl Maca nicht hormonell wirkt, sollten Personen mit einer Vorgeschichte von Brust- oder Prostatakrebs Vorsicht walten lassen und vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.
- Kosten und Zeit: Die Wirkung ist nicht sofort; die meisten Studien maßen sie nach mindestens 6 Wochen. Rechnen Sie mit Kosten von 50 bis 120 Schekel pro Monat für ein hochwertiges Präparat.
Auf der anderen Seite ist das Sicherheitsprofil von Maca eines der besten in der Welt der Nahrungsergänzungsmittel. Bei einer Dosierung von 1,5 bis 3 Gramm pro Tag wurden fast keine signifikanten Nebenwirkungen berichtet, und es ist eine essbare Knolle, die in Peru seit Jahrtausenden gegessen wird.
Was sollte man aus der Forschung mitnehmen?
- Wenn Sie eine Verbesserung der Libido oder Stimmung suchen, ist Maca ein vernünftiger Versuch. In einer Dosierung von 1,5 bis 3 Gramm pro Tag, mit realistischen Erwartungen und nicht mit Wundern, und nach 6 bis 8 Wochen konsequenter Anwendung.
- Erwarten Sie keinen Anstieg des Testosterons. Wenn dies Ihr Ziel ist, ist Maca nicht das richtige Mittel. Sie wirkt über einen völlig anderen, nicht-hormonellen Mechanismus.
- Wählen Sie eine hochwertige Form: Gelatinisierte Maca wird besser aufgenommen und belastet die Verdauung weniger. Schwarze Maca für Gedächtnis und Sperma, rote für die Prostata (hauptsächlich aus Tierstudien).
- Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis: Beginnen Sie mit 1,5 Gramm und steigern Sie allmählich, um die individuelle Reaktion zu testen.
- Konsultieren Sie einen Arzt bei Schilddrüsenproblemen oder hormoneller Empfindlichkeit: Dies ist der wichtigste medizinische Vorbehalt.
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Die breitere Perspektive
Maca ist ein hervorragendes Beispiel für ein Präparat, das in der Mitte steht, weder Wunder noch Betrug. Die Belege sind real, aber begrenzt, die Wirkung ist moderat, aber konsistent, und das Sicherheitsprofil ist ausgezeichnet. Das ist genau das, was die gelbe Einstufung rechtfertigt: kein Präparat, das jeder nehmen muss, aber auch keines, das man meiden sollte.
Die wichtigste Lehre aus Maca betrifft jedoch den Mechanismus: Sie verbessert Libido und Stimmung, ohne die Sexualhormone überhaupt zu beeinflussen. Dies ist eine Erinnerung daran, dass unser Körper viel komplexer ist als Testosteron oder Östrogen und dass pflanzliche Moleküle auf Wegen wirken können, die wir noch nicht vollständig verstehen. Anstatt dem nächsten 'Testosteron-Booster' hinterherzujagen, sollte man vielleicht daran denken, dass manchmal eine kleine Knolle aus den Anden, die an einem Ort wächst, an dem sonst nichts überlebt, die Arbeit sanft erledigen kann.
Referenzen:
Brooks NA et al., Beneficial effects of Lepidium meyenii (Maca) on psychological symptoms and measures of sexual dysfunction in postmenopausal women are not related to estrogen or androgen content, Menopause, 2008
Shin BC et al., Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review, BMC Complementary and Alternative Medicine, 2010
Stojanovska L et al., Maca reduces blood pressure and depression in a pilot study in postmenopausal women, Climacteric, 2015
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